Category Archives: Kirchengemeinde Barver

Coronazeit – Sonntag Miserikordias Domini – 25. April 2020

Predigt: Psalm 23

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde!

Eigentlich sollte heute in Barver die Konfirmation gefeiert werden. Acht Jugendliche hätten sich heute zum christlichen Glauben und zu ihrer Taufe bekannt. Auch dazu, dass sie in Gott einen Hirten sehen, der sie im Leben beschützt. Vielleicht ist deswegen der erste Vers des bekannten Psalms 23 heutzutage einer der populärsten Konfirmationssprüche. Den Psalm müssen die Konfis in ihrem Unterricht auch auswendig lernen. Heute hätten wir ihn gemeinsam gebetet, so wollen wir das auch jetzt tun:

Der heutige, zweite Sonntag nach Ostern trägt den Namen der Barmherzigkeit Gottes. Eines der bekannten Motive dazu ist das eines Hirten, der sich liebevoll um seine Schafe kümmert. Ein häufiges Motiv der Bibel, das veranschaulichen will, dass wir Menschen im gewissen Sinne wie Schafe sind, die einen Hirten brauchen. Gott selbst öffnet sich als der gute Hirte, der seine Herde liebt. Auch Jesus sprach von sich als dem guten Hirten, der sein Leben für die Schafe gibt. Deswegen wird dieser Sonntag auch Hirtensonntag genannt.

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.


Psalm 23

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ – ein Bekenntnis, das dem heutigen Zeitgeist eher widerspricht. Finden Sie nicht? Es ist nicht gerade cool, sich in der Rolle eines Schafes zu sehen, das von jemandem geführt und versorgt werden will. Man spricht ja sich selbst so eine gewisse Unmündigkeit zu, zeigt seine Unzulänglichkeit, sein Angewiesen sein auf andere. Und das in der Zeit, wo man eher das Selbstbewusstsein propagiert und davon spricht, dass jeder Mensch sein eigenes Potenzial entfalten und seinen eigenen Weg gehen soll: „Mache, was du liebst, und liebe, was du machst“ lautet eine populäre Devise der heutigen Zeit und meint, somit ein ideales Glücksrezept zu präsentieren. Manche sind deswegen auch der Kirche gegenüber skeptisch, weil sie denken, Kirche wolle nur bevormunden und beschränken. Eine Dame verglich die Kirche mit einer Herde hirnloser Schafe, die sich von ein paar schlauen Köpfen an der Nase herumführen lassen. So etwas mag in der langen Geschichte des Christentums oder auch jeder anderen Religion sicherlich gewesen sein. Auch die Bibel erwähnt solche Vorkommnisse. Im Buch des Propheten Jeremia z.B. wird im 23. Kapitel das Volk Israel mit einer großen Schafherde verglichen, die in die Händen schlechter Hirten geraten ist und deswegen auseinander läuft. Der Prophet kündigt auch an, dass Gott selbst einen Hirten setzen wird, der seine Herde sammeln und sie auf dem richtigen Weg führen wird. Dieser Hirte ist in Jesus Christus gekommen, und nicht in einem religiösen Anführer – das darf man nicht vergessen.

Die andere Frage: Warum Schafe? Vielleich deshalb, weil jedes Schaf nur danach schaut, wo leckeres Gras ist, und dadurch seine Herde aus dem Blick verliert. Nicht umsonst muss die Herde stets bewacht und mit Hilfe von Hunden zusammengehalten werden. Sonst laufen die Schafe auseinander und werden als einzelne der Gefahr ausgeliefert, von Wölfen gerissen zu werden.

Sind wir Menschen nicht so? Laufen wir nicht Dingen hinterher, die uns im Augenblick wichtig erscheinen oder Spaß machen? Führt das nicht dazu, dass jeder letztendlich nur an sich selbst denkt und sich danach orientiert, was ihm selbst als gut und nützlich erscheint. „Ich persönlich habe keine Angst vor Corona“ – sagt ein junger Mann im Supermerket, deshalb wolle er keine Maske tragen. Aber gerade die Maske setzt ja voraus, dass man an andere denkt, die man vor eigenen Viren schützt, die man möglicherweise bereits in sich trägt. Apropos Viren: Sie zeigen auch, wie verwundbar wir sind. Auch zeigen sie, dass wie als Gesellschaft doch klare, einheitliche Regeln und kluge Führung brauchen, gerade angesichts von Gefahren. Gibt es sie? Diese kluge Führung, die es schafft, ihr Land, ihr Volk so schmerzfrei wie möglich aus der Krise zu bringen? Ich denke, niemand kann diese Frage mit einem deutlichen „Ja“ beantworten. Was aber auf jeden Fall nötig ist, ist ein respektvoller und fürsorglicher Blick auf andere. Dies ist auch der Hauptinhalt dessen, wovon Jesus gesprochen und was er gelebt hat. In diesem Sinne will er auch unser Hirte sein, uns leiten im Licht der Liebe, uns stärken im Miteinander, uns trösten im Teilen unserer Ängste mit uns, uns bringen zur Kraftquelle in Gott durch sein Wort und sein Vorbild. Wäre die Welt nicht viel schöner und friedlicher, wenn wir mehr diesem guten Hirten Jesus Christus folgten?

Ich wünsche uns trotz der weiteren Einschränkungen einen gesegneten Sonntag!

Und Gottes Friede, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

                                                                                                                                                Dimitri Schweitz, Pastor

Gebet

Du guter Hirte, Jesus Christus!

Wir sind gefangen in unserer Sorge. Du siehst unsere Verunsicherung, unsere Ängste.
Schau auf die Menschen, die keinen Ausweg sehen – in Krankenhäusern, auf der Flucht, im Krieg, in zerbrochenen Familien oder kaputten Beziehungen. Schau auf die Menschen, die kein Zuhause haben, wo sie Schutz finden.


Du guter Hirte, suchst du sie? Steh ihnen bei und trage sie auf deinen Schultern. Und gib uns allen einen respektvollen Blick aufeinander. Dass wir gerade in Situationen der Not mehr aneinander denken und deinem guten Vorbild folgen.


Wir bitten dich für die Opfer der Pandemie und um Trost für ihre Angehörige! Wir bitten dich für alle, die im Kampf gegen das Virus an vorderster Front sind! Wir bitten dich für alle, die Führungspositionen bekleiden! Erbarme dich heute und alle Tage.

Begleite uns alle durch diese Zeit und erhalte uns trotz all dem Schweren in österlicher Freude!

Amen. 

Coronazeit – Sonntag Quasimodogeniti – 19. April 2020

Predigt: Jesaja 40, 26-31

Liebe Gemeinde,

der Name des heutigen 1. Sonntags nach Ostern lt. Kirchenkalender ist ein lateinisches Wort: Quasimodogeniti (zu deutsch: „wie die neugeborenen Kinder“), ein Wort aus dem 1. Petrusbrief 2, 2.

Gemeint ist ein Glaube, der durch die Botschaft über die Auferstehung Jesu Christi wie neu geboren wird. Dieser Glaube ist wie ein frischer Wind, der dem Schiff des menschlichen Lebens einen kräftigen Schub gibt.

Wäre das nicht unser aller Wunsch jetzt in dieser Krisenzeit? Würden wir uns nicht über einen kräftigen Schub an Positivität und Hoffnung freuen, der uns über die Zeit der Einschränkungen, der Selbstisolation und der anderen coronabedingten Belastungen helfen könnte?

Die Social Media füllen sich täglich mit positiven Impulsen und Erlebnissen der User. Das schöne Wetter trägt dazu bei, dass man ermunternde Motive von Spaziergängen in der Natur oder Bilder von Familiengrillpartys im Garten posten kann. Doch ob diese gut gemeinten und sicherlich positiv wirkenden Beiträge es schaffen, das Dunkel der aktuellen Lage zu erhellen? Was ist mit Tausenden von Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, Spaziergänge in blühender Natur zu genießen, weil sie in ihren Zimmern in Altenheimen oder ihren Wohnungen wirklich isoliert sind? Was ist mit Tausenden von Menschen, die keinen Garten besitzen, in dem sie mit Familie grillen könnten? Was wäre für sie ein kräftiger Schub an Positivität und Hoffnung in der heutigen Situation? Oder ist die tägliche Erfahrung, dass man (noch) nicht krank geworden ist, eine genügende Belohnung? Aber was, wenn man doch einer von diesen fast 150 Tausenden ist, die infiziert sind, und sich davor fürchtet, auf die Intensivstation zur künstlichen Beatmung zu müssen?

Die Menschheitsgeschichte kennt solche Situationen, auch viel schlimmere Situationen von Kriegen, Naturkatastrophen oder Pandemien mit viel mehr Opfern. Auch in der Geschichte des Volkes Israel, die die biblische Überlieferung erfasst, gab es schreckliche Zeiten. Zu solchen gehörte die Epoche der sogenannten Babylonischen Gefangenschaft. Auch wenn das Ausmaß der Tragödie, global gesehen, vielleicht nicht so umfassend war, wie mit der Corona-Pandemie, war sie für das Volk eine harte Prüfung, nicht zuletzt eine Glaubensprüfung. Gläubige Menschen fühlten sich in aussichtsloser Isolation ohne Perspektive, ohne Hoffnung. Und in dieser Situation richtet der Prophet Jesaja folgende ermutigende Worte an die Israeliten:

Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? 
Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. 
Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. 
Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Der Prophet Jesaja (Jes 40,26-31)

Diese Worte, die für die heutige Predigt vorgeschlagen sind, scheinen auf den ersten Blick einem ermunternden Post ähnlich zu sein, den man heute auf Facebook oder Instagram findet. Auch ein Foto von herrlichem Sonnenuntergang kann von der wunderbaren Schöpfung Gottes zeugen. Aber ein Wort finde ich für die heutige Situation besonders wichtig: Das Wort „Harren“. „…die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft“ – Harren bedeutet, dass diese Kraft Gottes nicht immer dann kommt, wenn man sie gern hätte. Man braucht Geduld, Ausdauer. Und das ist leider nicht gerade Stärke unserer Zeit. Wir leben in einer Zeit, in der alles schnell gehen muss. Auf der Arbeit muss alles schnell getan und erledigt werden. Man muss effizient und gut sein. Man muss leisten. Veränderungen finden in einem Tempo statt, die sich alle Generationen vor uns nicht hätten erträumen lassen. Harren, warten – ist das nicht gerade das, was wir alle brauchen? Es ist nicht die Zeit der Kurzstreckenläufer, sonder die der Marathonläufer. Nicht die Geschwindigkeit ist entscheidend, sondern die Kontinuität, Treue, Harmonie.

Es gibt eine alte chinesische Weisheit: „Nur in einem ruhigen Teich spiegelt sich das Licht der Sterne“. Vielleicht ist gerade das, was wir nötig haben: Die Ruhe, in der wir auf Gott harren. Gott gebe uns diese Ruhe und lasse uns darin seine Kraft spüren. Und sein Friede, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.  Amen.

Dimitri Schweitz, Pastor

Gebet

Unbegreiflicher Gott,
in Jesus Christus hast Du dem Tod die Macht genommen.
Doch wir erleben, wie der Tod immer noch nach uns greift, besonders deutlich spüren wir das in dieser Krisenzeit, in der uns täglich von neuen Hunderten und Tausenden Toten berichtet wird.
Wir bitten um Deine Kraft für die, die gegen den Tod ankämpfen.
Wir bitten um Deinen Trost für die, die dem Tod ausgeliefert werden und deren Kräfte versiegen.
Wir bitten um Deine Hilfe für die, die von der Krise besonders hart betroffen sind. Nimm uns die Angst. Schenk uns Geduld.
Lass uns aufatmen, dass wir auf Dich harren im Vertrauen auf Deine Treue. Gott, führe Du uns durch diese Zeit!
Amen.

Coronazeit – Ostersonntag – 12. April 2020

Predigt: 1. Korinther 15, 12-20

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde!

Liebe Schwestern und Brüder!

Trotz der Corona-Plage ist Ostern überall. Auch die kleinsten Pflanzen, die durch Steine zum Licht aufbrechen, scheinen österliche Freude auszustrahlen. Auch wir wünschen uns seit Tagen frohes Osterfest. Jetzt viel mehr über die social media… Vielleicht, weil wir müde sind von täglichen Berichten über Krankheit und Tod und uns nach etwas Schönem, etwas Fröhlichem sehnen – das ist Ostern für uns, das Fest der Auferstehung, der Hoffnung und des Lebens.

Aber immer wieder finden sich Menschen, die allergisch auf dieses Wort „Auferstehung“ reagieren: „Das ist doch ein Märchen“ – sagen sie und argumentieren damit, dass es dafür keine wissenschaftlichen Beweise gibt.

Aber nicht nur heute, sondern schon damals in den ersten christlichen Gemeinden gab es Skeptiker, die die Auferstehung Christi leugneten. Diese Leute erwähnt auch der Apostel Paulus in seinem Brief an die Korinther. Dies ist auch der Predigttext für den heutigen Ostersonntag: Einige Verse aus Kapitel 15.

Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. 

Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 

In der Tat, wenn ich keine wissenschaftlichen Beweise für die Auferstehung Jesu Christi finde, müsste ich zugeben, dass wir alle dumm sind, alle, die am Ostersonntag in die Kirche wollen. Wie dumm und naiv sind all die Hunderte Millionen Menschen, die Weihnachten und Ostern feiern. Und …ich gehöre dazu. Auch alle, die an (einen) Gott glauben müsste man für dumm und naiv erklären. Und nicht nur die. Auch alle, die an Liebe und Freundschaft, an Mitgefühl und Versöhnung, an Schönheit, an Harmonie und Glück glauben, wären nach dieser Logik ebenso dumm und naiv. Denn auch für diese Dinge gibt es keine fundierten wissenschaftlichen Beweise, außer dass es um biologische Mechanismen geht, die die Evolution zwecks Überleben oder Fortpflanzung entwickelt hat und die nichts weiter sind als stumpfe Biochemie… 

Doch vielleicht noch wichtiger wäre die Frage: Wird die Welt besser sein, wenn wir alles auf biochemische und physikalische Prozesse reduzieren? Bestimmt nicht. Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der es keine Liebe, Freundschaft, Mitgefühl, Versöhnung, Glück gibt, nur weil sie sich nicht mit Zahlen beweisen lassen? Ich bin mir sicher, das

können Sie nicht, denn ohne sie wäre unser Leben undenkbar.

Ostern, liebe Gemeinde, gehört zu diesen Dingen. Es geht nicht um die historische Tatsache, an die, übrigens, ein Drittel der Weltbevölkerung glaubt. Es geht um unsere Sehnsucht. Die Sehnsucht nach einem Leben, wo es keine Trennung und keinen Abschied gibt. Sehnsucht nach einem Leben ohne Angst, ohne Schmerzen, ohne Tränen. Sehnsucht nach einem Leben, in dem es keinen Tod mehr gibt. 

Das ist ja kein Geheimnis, liebe Schwestern und Brüder, dass wir alle Angst vor dem Tod haben. Keiner von uns will auf immer und ewig Abschied nehmen von dem, was uns umgibt. Der Gedanke, dass alles irgendwann zum letzten Mal zu sehen sein wird, macht uns traurig. Eigentlich wollen wir auch gar nicht daran glauben, weil wir uns das gar nicht vorstellen können. Unser Geist wehrt sich vehement dagegen.  Deswegen sehnt sich unser ganzes Wesen nach einem Weg in die Ewigkeit. Und zwar schon immer. Von dieser Sehnsucht getrieben folgten Tausende Menschen Jesus. Von dieser Sehnsucht getrieben gingen Menschen auch in den Tod wegen ihres Glaubens.

Die Auferstehung Jesu Christi ist Gottes Antwort auf diese Sehnsucht, auf diesen Herzenswunsch, heute genau so, wie damals. Mit der Auferstehung Jesu öffnet sich uns der Weg zu dieser Realität der Ewigkeit, Realität des Lebens mit Gott. Das ist auch der Grund, warum wir unsere Kinder taufen lassen auf den Namen Jesu: Unsere Hoffnung auf das ewige Leben, auf ein Sein in Gottes Gegenwart.

Auch wenn für viele heute Ostern mehr mit bunten Eiern und Schokoladenhasen verbunden ist, …auch wenn es Besserwisser gibt, die die Auferstehung leugnen, bleiben diese Hoffnung und dieser Glaube lebendig. Natürlich kann man diese Hoffnung und diesen Glauben nicht wissenschaftlich belegen, …weil sie im Herzen stattfinden. Sie kann man nicht wissenschaftlich belegen, aber mit ihnen wird das Leben lebenswert und erfüllt.

Gib uns auch jetzt in der Corona-Krise die Kraft zum Leben und zum rechten Handeln, wo wir handeln können. Stärke und die Hoffnung, dass wir auch diese schwere Zeit überwinden.

Wir bitten Dich für alle, die von der Pandemie direkt betroffen sind: Die Erkrankten, die Sterbenden und deren Angehörigen. Segne und Stärke alle, die sich um die Betroffenen kümmern und im Kampf gegen die Pandemie an oberster Front sind. Hilf den Verantwortlichen richtige Wege zu finden.
Gott, führe du uns durch diese Zeit! Amen.

Das ist mein Osterwunsch für uns alle: Dass Ostern nicht nur in unseren Kalendern stattfindet, sondern vor allem in unsren Herzen. Dass wir trotz der Coronakrise uns von ganzem Herzen diesem Ostergruß anschließen:

„Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! In meinem Leben, in meinem Herzen!“ 

Gott segne uns diesen Tag! Und sein Friede, der höher ist als unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Dimitri Schweitz, Pastor

Gebet

Allmächtiger Gott,
auch den kleinsten Pflanzen hast Du so viel Lebenskraft gegeben, dass sie dicke Steine überwinden, um zu leben, zu wachsen. Dass Du Jesus Christus zum Leben auferweckt hast, gibt auch uns Hoffnung und Lebenskraft.

Gib uns auch jetzt in der Corona-Krise die Kraft zum Leben und zum rechten Handeln, wo wir handeln können. Stärke und die Hoffnung, dass wir auch diese schwere Zeit überwinden.

Wir bitten Dich für alle, die von der Pandemie direkt betroffen sind: Die Erkrankten, die Sterbenden und deren Angehörigen. Segne und Stärke alle, die sich um die Betroffenen kümmern und im Kampf gegen die Pandemie an oberster Front sind. Hilf den Verantwortlichen richtige Wege zu finden.
Gott, führe du uns durch diese Zeit!
Amen.

Coronazeit – Karfreitag – 10.04.2020

Predigt: Johannes 3, 16

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde!  

Das biblische Wort, unter dem jeder Karfreitag steht, ist ein Satz, in dem – so kann man sagen – das ganze Evangelium zusammengefasst ist. Es steht im Johannesevangelium 16, 3 und lautet:

So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Johannesevangelium 16, 3

Wieder hören wir von Gottes Liebe zu unserer Welt, Liebe, die ihren höchsten Ausdruck darin findet, dass Gott sogar seinen Sohn nicht verschont, ihn für diese Welt am Kreuz sterben lässt.  

Was aber soll dieses grauenhafte Geschehen am Kreuz mit Liebe zu tun haben? Ist nicht das Gegenteil der Fall: Lieblosigkeit, Unmenschlichkeit, Feigheit und Gleichgültigkeit – sie haben Jesus ans Kreuz gebracht, „So hat Gott die Welt geliebt“? Das klingt zynisch, ja absurd, …auch angesichts der heutigen Lage mit der Corona-Pandemie. Und so frage ich mich: Wie kann ich von der Liebe Gottes predigen, wenn uns täglich von unzähligen Neuinfizierten berichtet wird? Wie kann ich von Gottes Liebe sprechen, wenn Hunderte und sogar Tausende an dieser Viruskrankheit jeden Tag sterben und Mediziner noch nicht viel dagegen tun können? Passt das überhaupt, jetzt in diesen Tagen von Gottes Liebe zu erzählen, wenn unzählige Menschen um ihre Existenz bangen, weil sie keine Kunden und keine Aufträge haben?

Doch ich habe eine Geschichte vor Augen, die von Liebe erzählt. Eine Geschichte, die in diesen Wochen überall spielen kann, in China, in Italien, in den USA oder auch in Deutschland. Die Geschichte eines Mannes, der an Corona stirbt. Er ist Mitte 70, hat Vorerkrankungen. Fünf Tage ist er bereits auf Intensivstation und wird künstlich beatmet. Aber das hilft nicht. Zu stark sind seine Lungen angeschlagen, sie können nicht mehr. Seine Frau ist gesund, aus irgendeinem Grund ist sie nicht infiziert. Der Besuch im Krankenhaus ist nur kurz möglich. Aber nichts sehnlicher wünscht sie als bei ihrem sterbenden Mann zu sein. Sie versteht, dass sie nichts machen kann, um ihn zu retten. Das Einzige, was sie kann, ist für ihn da sein. Jetzt ist es möglich. Mit Mundschutz, Schutzbrille und Schutzkleidung kommt sie hinein, an sein Bett. Es sind letzte Minuten seines Lebens. Sie hält seine Hand. Er spürt das. Es tut ihm gut, dass sie da ist. Sie, der geliebte und liebende Mensch, ist in dem schwersten Augenblick seines Lebens da, um diesen Moment mit ihm auszuhalten.

Karfreitag verkörpert den Moment tiefster Verlorenheit und die Abwesenheit von Hoffnung, den Moment, in dem das Dunkle verharrt und keine Wendung zum Leben mehr findet. Wenn alles zerrissen ist und nur Scherben vor mir liegen. Wenn die Diagnose ausgesprochen ist und mein Leben endet. Wenn meine Arbeit voller Mühen ist und die Kraft nicht mehr reicht, sie zu bewältigen. Gott macht sich all das zu eigen. Er kommt hinein. Hält mit aus. Die innere Katastrophe. Die Gegenwart des Todes und seiner Vorboten. Die Zumutungen und Ungerechtigkeiten, die Menschen durch anderen Menschen erleben müssen. Dort, in diesem unfassbaren Dunkel setzt sich Gott neben uns. Dieser Gott, der doch Hoffnung ist und Licht, das das Leben ist und für ein besseres Morgen steht. Dieser Gott lässt alles, was ihn ausmacht, los, um uns da nah sein zu können, wo all das gerade nicht ist. Gott teilt unsere totale Verlassenheit, unser Ausgeliefertsein, unsere Hoffnungslosigkeit. Gott folgt uns dahin, wohin uns niemand sonst folgen kann und mag. So sehr liebt Gott diese unsere Welt. Er verzichtet auf den magischen Handstreich, dass sofort oder überhaupt alles gut wird. Gott nimmt uns die geistliche Pflicht, trotz allem immer Mut und Hoffnung bewahren zu müssen. Gott kommt einfach zu uns ins Elend. Dieser Gott setzt sich neben mich und hält mit mir aus. Gott ist da, in Jesus, der am Kreuz stirbt.

An Ostern wird sich zeigen, dass Gott doch was tun kann. Aber jetzt ist der Moment, wo Liebe anders deutlich wird, in dem sie da ist und mit aushält.

Auch bei der Corona-Pandemie trägt Gott das Schwere mit uns. Auch in den Tränen hinter der Schutzbrille, in den Tränen um den geliebten Sterbenden sind Gottes Liebestränen drin.

Das ist Karfreitag. Gott segne uns diesen Tag!

Und sein Friede, der höher ist, als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Dimitri Schweitz, Pastor

Gebet

Gott, höre mich!
Meine Seele verkriecht sich in einem dunklen Loch. Angst, Hoffnungslosigkeit, Schmerz – sie gewinnen die Überhand. Bewahre Du meine Seele, denn ich schaff es nicht mehr. Ich vermag nicht mehr rufen, bitten oder flehen. Aber ich brauche Dich, Gott! Ich brauche Deine Güte, Deine Nähe. Ich bitte dich: Zeige mir einen Weg mit mir selbst und aus mir heraus. Wenn es jemand kann, dann Du. Sei mir nahe mit Deiner Barmherzigkeit, Deiner Gnade, Deiner Geduld, Deiner Güte und Liebe.
Gott, Dir danke ich, dass ich im Gebet zu Dir mit allen Menschen in geistlicher Gemeinschaft vereint sein kann.
Dir klagen wir gemeinsam in dieser Zeit, dass weltweit schon Zehntausende Menschen an Corona gestorben sind und die Zahlen jeden Tag weiter steigen. Sei Du bei denen, die sich im Kampf gegen die Pandemie einsetzen, damit anderen geholfen wird.
Behüte alle Erkrankten, schenke Ihnen die Kraft zu genesen.
Und gib uns allen Vernunft zum besonnenen Umgang mit dieser Herausforderung.
Lass uns alle erfahren: Unser Leben ist in Dir allein geborgen.
Amen.

Coronazeit – Gründonnerstag – 9. April 2020

Andacht über das Abendmahl

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde!

Heute vor 75 Jahren ist der bekannte deutsche Theologe, ein überzeugter Christ und entschiedener Gegner des Nationalsozialismus, Dietrich Bonhoeffer hingerichtet worden. Sein Wirken als Pastor, als Theologe und als Mensch hat die kirchliche Entwicklung in der Nachkriegszeit erheblich beeinflusst.

Dietrich Bonhoeffer während der Haft 1943-1945

Zum Gedenken an ihn möchte ich an diesem Gründonnerstag, an dem wir leider keinen Gottesdienst und kein Abendmahl miteinander feiern können, seine Gedanken* zur Bedeutung des Abendmahls für die Andacht nehmen.

Der biblische Bezug für seine Deutung sind unter anderem die von Paulus überlieferten Worte:

Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.

(1. Korintherbrief  11, 23-25)

Wie es dem Grundverständnis der evangelischen Kirche entspricht, stand für Bonhoeffer auch im Abendmahlgeschehen Gottes Wort an der obersten Stelle. Gerade beim Sakrament ist die Verbindung von Worten und Taten Jesu entscheidend: „Es soll in der Kir­che nichts gelten und geschehen als Jesu Wort und Tat“ – schreibt Bonhoeffer in seinen Ausführungen* zum Abendmahlsverständnis.

„…was ist der rechte Gebrauch des Abendmahls? – fragt er weiter. Was dürfen wir vom Empfang des Sakraments erwarten? Welches ist die Gabe, die uns zuteil wird? Was hat Jesus mit der Einsetzung des Abendmahls verheißen und welches ist die rechte Predigt, die zum Abendmahl einlädt? Wir kommen ja nicht darum herum, dass es im Abendmahl nicht um ein unklares mystisches Erlebnis, sondern um das klare, leibgewor­dene Wort Gottes, um Zuspruch und Anspruch Jesu Christi geht. Jesus selbst hat den Jüngern nicht stumm Brot und Wein gereicht, sondern er hat sein Wort dazu gesprochen“.

„Nur wo die Kirche – allem Spott und Entsetzen einer modernen Welt zum Trotz – auf dem lauteren Wort Gottes und den von Christus selbst eingesetzten Sakramenten ruht, gilt ihr die Verheißung, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden“.  

Es geht Bonhoeffer nicht um die strickte Einhaltung des Rituals, sondern um die Gemeinschaft mit Jesus Christus. Im Abendmahl, in dem diese Worte Jesu gesprochen und die Elemente Brot und Wein (Saft) als Christi Leib und Blut eingenommen werden, wird diese Gemeinschaft sichtbar und spürbar. Natürlich nicht nur für den Moment. Auch nach dem Ende der Abendmahlsfeier soll diese Gemeinschaft bestehen bleiben, gestärkt und gesegnet für den Alltag, für die Zeit des Lebens, in der Freud und Leid geteilt werden.

Dieses Jahr gilt das besonders. Gerade die aktuelle Corona-Pandemie hat unheimlich viel Leid gebracht, und das ist noch nicht zu Ende. Desto wichtiger ist es, das Gefühl der Gemeinschaft nicht zu verlieren. Ja, die Not, vor allem die gemeinsame Not hat viele positive Kräfte frei gesetzt. Man merkt viel deutlicher, dass es wichtig ist, in Verbindung zu bleiben. Ich hoffe, diese positive Seite dieser Krise werden wir nutzen auch wenn sie vorbei ist. Und sie wird vorbei sein. Wir werden mit noch größerer Freude Gemeinschaft leben und pflegen, miteinander feiern, auch das Abendmahl. Denn am Tisch des Herrn öffnet uns der auferstandene Jesus Christus einen neuen Zugang zu dieser Gemeinschaft, zu dieser Verbundenheit mit Gott und miteinander.

An seinem Tisch bringt Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene unszusammen, auch wenn wir im Alltag getrennt sind.

An seinem Tisch bringt er sogar uns mit uns selbst zusammen, die wir oft von inneren Konflikten und Zweifeln zerrissen werden.

An seinem Tisch bringt er uns sogar mit denen zusammen, die nicht mehr unter uns sind, wie auch mit denen, die erst noch geboren werden sollen.

An seinem Tisch bringt er eine Gemeinde zusammen, die einig und stark darin ist, vor ihm wie ein Leib zu sein.

In diesem Sinne wünsche ich uns die Zuversicht und Hoffnung, die uns durch diese schwere Zeit begleiten mögen.

Und Gottes Friede, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Dimitri Schweitz, Pastor

Gebet

Herr Jesus Christus!
Du, Kraft und Freude unseres Lebens.
Du hast mit Deinen Jüngern das letzte Abendmahl geteilt, damit sie die Gemeinschaft mit Dir selbst leben und weiter geben, die Gemeinschaft, aus der alle Menschen Kraft und Freude schöpfen können.
Auch heute würden wir mit Dir und miteinander das Abendmahl feiern, doch das geht leider nicht aufgrund der aktuellen Situation.
Wir merken, wie schlimm das ist, ohne menschlichen Kontakt zu Liebsten zu leben. Sie fehlen uns. Nimm sie unter Deinen Schutz.
Die täglichen Nachrichten von immer mehr Infizierten und Toten machen uns Angst.
Wir bitten Dich für die einsam Sterbenden, die Eingeschlossenen, die ohne Schutz und Hilfe sind. Nimm sie unter Deinen Schutz.
Wir machen uns Sorgen um die Zukunft, die Unsicherheit nimmt zu.
Wir bitten Dich für uns Verunsicherte, uns Erschöpfte und Suchende. Nimm uns unter Deinen Schutz.
Es macht Mut, von so vielen Heldinnen und Helden dieser Tage zu hören. Wir bitten Dich für sie: die Krankenschwestern, die Ärzte und Forscherinnen, Verkäuferinnen, Musiker, Busfahrer, unsere Politikerinnen und Politiker, und viele andere, die sich in dieser Zeit gegen die Pandemie stellen. Nimm sie unter Deinen Schutz.
Begleite uns alle durch diese Tage und erfülle uns trotz all dem Schweren mit tiefer, österlicher Freude!
Amen.

Coronazeit – Palmsonntag – 5. April 2020

Predigt: Markus 14, 3-9

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde!  

Vieles ist anders wegen der Corona-Pandemie. Ihr Ausmaß ist erschreckend, und ihre Folgen werden wir noch lange spüren.  Aber jetzt schon ist Vieles auf den Kopf gestellt. Auf einmal sind Dinge und Menschen wichtig geworden, an die man noch vor ein paar Monaten kaum gedacht hat. Die Frage: „Was zählt wirklich im Leben?“ werden wir nach der Krise anders beantworten, als vorher.

Auch in dem Predigttext für diesen Palmsonntag geht es um die Fragen: Was ist im Moment wirklich wichtig? Was hat Priorität?

  Dieser Text steht im Markusevangelium 14, 3-9:

Jesus war in Betanien zu Gast in einem Haus. Während der Mahlzeit kam eine Frau herein. In ihren Händen hielt sie ein Fläschchen mit reinem, kostbarem Nardenöl. Sie öffnete das Gefäß und salbte mit dem Öl den Kopf von Jesus.
Darüber regten sich einige Gäste auf: »Das ist ja die reinste Verschwendung! Dieses Öl ist mindestens 300 Silberstücke wert. Man hätte es lieber verkaufen und das Geld den Armen geben sollen!« So machten sie der Frau heftige Vorwürfe.
Aber Jesus sagte: »Lasst sie in Ruhe! Warum macht ihr der Frau Schwierigkeiten? Sie hat etwas Gutes für mich getan. Arme, die eure Hilfe nötig haben, wird es immer geben. Ihnen könnt ihr helfen, sooft ihr wollt. Ich dagegen bin nicht mehr lange bei euch. Diese Frau hat getan, was sie konnte: Mit diesem Salböl hat sie meinen Körper für mein Begräbnis vorbereitet.
Ich versichere euch: Überall in der Welt, wo Gottes Botschaft verkündet wird, wird man auch von dieser Frau sprechen und von dem, was sie getan hat

Markus 14, 3 – 9

Wie hätten wir denn reagiert, wenn wir dort gewesen wären? Was hätten wir gesagt, wenn wir gesehen hätten, wie eine Frau ein sehr teures Öl auf den Kopf Jesu gießt?   

Hätten auch wir da nicht gesagt: „Was für eine Verschwendung! 300 Silberstücke war das Öl wert, auf heute umgerechnet einige Tausend Euro, …auf einmal weggeschüttet!“?

Hätten wir nicht an Diakonie und soziale Projekte gedacht? Das Geld könnte doch für viele sinnvollere Zwecke ausgegeben werden! Gerade für Bedürftige – ist das nicht der Wille Gottes, dass man dem Nächsten hilft? Sieht die Nächstenliebe nicht anders aus?

Doch besonders seltsam ist, dass Jesus diese Verschwenderin in Schutz nimmt. Er, der an einer anderen Stelle sagt: „…verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen!“ scheint hier seine Meinung geändert zu haben.  Warum unterstützt er  nicht die um die Armen besorgten Gäste? Warum lobt er diese Frau, die anscheinend so verschwenderisch, so unvernünftig handelt?

„Sie hat etwas Gutes getan …für mich“ – erklärt Jesus und fügt hinzu: „Arme habt ihr alle Zeit bei euch…“.  

Jesus hat einen kritischen Blick auf unsere Welt: Es gibt Arme in ihr, es gibt Ungerechtigkeit. Die Herausforderung, da etwas zu ändern, zu helfen, zu handeln, werden wir Menschen immer haben, meint er.

„Mich aber habt ihr nicht allezeit…“ – setzt Jesus fort. Damit weist er auf die Gefahr hin, Gott aus den Augen zu verlieren. Wenn es schon um Liebe geht, dann muss man an das Doppelgebot der Liebe denken, vor allem an seinen ersten Teil, in dem es um Liebe zu Gott geht: „Du sollst Gott lieben, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Kraft, mit deinem ganzen Gemüt!“. Dieser erste Teil ist genauso wichtig, wie der zweite mit der Liebe zum Nächsten. Denn ohne eine tiefe, vom Herzen gehende Liebe zu Gott kann es keine echte Nächstenliebe geben.

Es ist die Liebe zu Gott, die diese Frau mit der Salbung Jesu zum Ausdruck bringt. Ihre Liebe zu Gott ist so groß, dass sie bereit ist, für ihn das Wertvollste zu geben, was sie hat. Wahre Liebe wird konkret im Tun, im Geben.

Ist das nicht die Herausforderung dieser Corona-Zeit, darüber nachzudenken: Was ist wirklich wichtig für uns, und was sind wir bereit dafür zu tun und zu geben? Ist das wichtig, sich mit Klopapier und Nudeln die Speicher zu füllen? Oder ist die menschliche Nähe wichtig, die wir jetzt so vermissen? Oder sind es die Familie, die Kinder, die auf einmal in den Fokus gerückt sind, weil man sie stets zu Hause hat? Oder sind das die betagten Eltern, die man wegen Ansteckungsgefahr nicht mehr besuchen darf? Oder vielleicht ist das die Welt, Gottes Schöpfung, die wir bislang nur beansprucht und ausgebeutet haben, die jetzt aber wirklich unsere ganze Liebe braucht?

Man sagt: In jeder Krise steckt eine Chance. Vielleicht ist das die Chance, Liebe neu zu lernen, Liebe, die nicht nach Nutzen und Kosten fragt, sondern im Tun und Geben konkret wird. Solche Liebe ist heute wichtiger denn je.

Gott segne uns diese Zeit, und sein Friede, der höher ist, als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Gebet

Barmherziger Gott! Die schwere Zeit, in der wir uns jetzt befinden, stellt uns auf die harte Probe. Wir müssen umdenken. Wir merken, wie wichtig es doch viele Dinge sind, die wir jetzt vermissen: Die Nähe der Menschen, gemeinsames Feiern, Besuche, eine Umarmung, eine spontane Begegnung und vieles mehr, was jetzt stark eingeschränkt ist. Wir bitten dich, hilf uns durch diese Zeit! mache uns stark, den Herausforderungen standzuhalten. Wir bitten dich für die Menschen, die besonders hart betroffen sind: Die Erkrankten, die Sterbenden, die Angehörigen. Hilf, dass wir die Angst und die Verunsicherung überwinden und besonnen handeln. Sei du mit allen, die in dieser Zeit für die Betroffenen und für uns alle im Einsatz sind. Lasse uns in dieser Zeit nicht allein! Amen.

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