Besuchskreis der Kirchengemeinde Barver

Der Besuchskreis in unserer Kir­chengemeinde besteht seit ca. 15 Jah­ren und wurde ursprünglich vom DRK und der Kirchengemeinde Barver ge­gründet. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, älte­re Menschen zum Geburtstag oder zu besonderen Anlässen zu besuchen, persönliche Glückwünsche und ein kleines Heft der Kirchengemeinde zu überbringen. Zusätzlich zu Pastor Schweitz widmen sich derzeit sieben ehrenamtliche Gemeindeglieder die­ser wertvollen Aufgabe.

Um die Geburtstagsbesuche im Team zu verteilen, findet halbjährlich ein Treffen im Gemeindehaus statt. Der Besuchskreis hat besonders die älte­ren Gemeindemitglieder im Blick. Mit Hilfe des Geburtstagskalenders nimmt jeweils ein Mitarbeiter aus dem Be­suchskreis mit den Geburtstagskin­dern persönlich oder telefonisch Kon­takt auf. Um runde Geburtstage ab dem 80. Lebensjahr und zum 85., 95., oder höherem Geburtstag kümmert sich Pastor Schweitz, in den Jahren dazwischen besucht ein Ehrenamtli­cher des Besuchskreises die älteren Barveraner.

Bei den Teamtreffen werden auch Themen besprochen, die sich mit der Lebenswelt der älteren Menschen be­schäftigen. Die Gruppe tauscht sich beispielsweise darüber aus, wie man gut zuhören und auf die unterschiedli­chen Bedürfnisse jedes Einzelnen indi­viduell eingehen kann. Die Kontaktaufnahme zu den Senioren erfolgt nicht nur unter dem Aspekt der Gratulation, sondern auch des ehrli­chen Interesses am Befinden der je­weiligen Person. Wünscht sich jemand intensiveren Kontakt oder Hilfestellun­gen, wird im Besuchskreis darüber gesprochen und beraten, wer hier hel­fen kann und wie die Hilfe aussehen könnte. Auch erkrankte Personen oder Men­schen in Lebenssituationen, in denen Beistand nötig erscheint, werden in Absprache mit den Angehörigen be­sucht. Hin und wieder finden auch Besuche in Altenheimen statt, über die sich ehemalige Barveraner immer sehr freuen.

Besonders wichtig ist allen Mitarbei­tern des Besuchskreises, dass alle ge­führten Gespräche absolut vertraulich behandelt werden. Verschwiegenheit ist oberstes Gebot, denn nur so kann man offen und ehrlich miteinander ins Gespräch kommen und sicher sein, dass eigene Sorgen und Probleme nicht nach außen getragen werden.

Das Team des Besuchskreises freut sich auf viele schöne Gespräche und hofft, stets bei Ihnen willkommen zu sein. Bitte machen Sie sich vor den Besuchen nicht viel Mühe – einfach ein Glas Wasser und ein ehrliches und gutes Miteinander. Ein neues Angebot unserer Kirchenge­meinde ist die Ü80 Party. Sie findet halbjährlich im Gemeindehaus statt. Hierzu eingeladen werden alle Ge­burtstagskinder unserer Kirchenge­meinde, die im entsprechenden Halb­jahr 80 Jahre und älter geworden sind. Gemeinsam frühstücken und klönen, Geschichten erzählen und Spaß haben – das alles steht im Vordergrund die­ser Treffen.

Kirche wieder geöffnet

Nach der Absage alle Veranstaltungen vor einigen Wochen konnte am 10. Mai wieder ein öffentlicher Gottesdienst in der Barver Kirche gefeiert werden. Unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln begrüßte Pastor Dimitri Schweitz insgesamt 20 Gottesdienstbesucher.

Das gemeinsame Singen musste größtenteils entfallen. Als engagierte Organistin Silke Husmann hat deshalb mit ihrem Sohn Tobias (Geige) für eine besonders festliche musikalische Gestaltung gesorgt.

Es wird vermutlich noch lange dauern, bis wieder ein normaler Gottesdienst gefeiert werden kann. Ein erster Schritt ist getan.

Coronazeit – Sonntag Kantate – 10. Mai 2020

Predigt: Psalm 98, 1

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde!

„Kantate“ heißt der heutige, vierte Sonntag nach Ostern. „Singet“ – heißt es im Psalm 98, aus dem diese Einladung kommt.

Es ist natürlich ein komisches, unangenehmes Gefühl, dass ausgerechnet heute, wo wir wieder Gottesdienst feiern können, das Singen so nicht möglich ist. Warum? Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass der Mindestabstand, der jetzt 1,5/2 Meter ist, beim Singen mindestens 5 Meter sein soll, weil die Aerosole beim Singen mit viel mehr Kraft ausgestoßen werden. D.h. wir dürften in der Kirche dann nur auf Abstand von mindestens 5 Metern voneinander sitzen.

Aber lassen Sie uns über das Singen nachdenken, über das Singen, von dem auch der Psalm spricht: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“

Warum überhaupt singen?

Es gibt mehrere Gründe:

– Das Singen gehört zum Menschsein dazu. Es ist die Art, Gefühle auszudrücken, und nicht unbedingt nur fröhliche Gefühle. Es ist eine Körpersprache, die besonders ankommt, die besonders gehört und verstanden wird.

– Das Singen stärkt die Gemeinschaft. Wenn viele mit einstimmen, spürt man eine neue Kraft. Nicht umsonst gab es Kriegsmärsche. Die sollten den Soldaten Mut machen, in den Kampf zu ziehen. Doch viel wichtiger ist, dass Singen die friedliche Gemeinschaft stärkt. Es gibt viele schöne Lieder, die die Menschen dazu bewegen, sich zu versöhnen, zu umarmen. Und wenn wir bei einer Trauerfeier gemeinsam singen, spüre ich persönlich, dass in dem Singen das Mitgefühl mit den Angehörigen, der Beistand, das Trösten besonders deutlich werden.

– Das Singen ist auch gesund, haben auch die Wissenschaftler rausgefunden. Das Singen soll unter anderem das Immunsystem unseres Körpers aktivieren. Ich denke, in der jetzigen Corona-Zeit ist das nicht unwichtig, dass unsere Abwehrkräfte gestärkt werden.  

Es gibt also viele gute Gründe, zu singen, auch zusammen zu singen. Bei Freude und Leid, in guten und in schweren Tagen – es stärkt, es tröstet, es hilft, es schützt, es ermutigt.

Aber in dem Psalm geht es um noch eine Eigenschaft vom Singen. Es geht ja um das Singen eines neuen Liedes für Gott. Ein neues Lied soll dem Herrn gesungen werden. Wenn ich daran zurück denke, wie wir im Gottesdienst ein noch unbekanntes (oder wenig bekanntes) Lied singen, dann glaube ich: Gott freut sich viel mehr, wenn wir ein gut bekanntes Lied singen. Aber im Ernst: Im Psalm geht es nicht um ein unbekanntes Lied. Die genaue Übersetzung für neues Lied aus dem Hebräischen besagt: „Das ist ein Lied, das aus einer Gott schauenden Begeisterung kommt“.

Es ist also viel mehr als ein Lied aus dem Gesangbuch mit einem bestimmten Text und einer Melodie: Es ist eher ein Bekenntnis für Gott als königlichen Richter, es ist ein Erkennen seiner Gerechtigkeit, seiner Weisheit, seiner Zugewandtheit zu seiner Schöpfung, zu seinem Volk, zu uns Menschen. Dieses neue Lied ist Ausdruck des Glaubens. So soll der Glaube an Gott sein: Es soll aus dem Herzen kommen wie ein gefühlvolles Lied, immer wieder neu.

Die Jahreslosung lautet: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ – Aussage eines Menschen, der sich in der Situation der Verzweiflung zu Jesus bekennt. Das war kein fröhliches Singen, es war eher ein Schrei der Seele, ein echtes Bekenntnis vom Herzen – Jesus half dem Menschen und heilte seinen Sohn. Vielleicht kann auch so ein Schrei der Seele ein neues Lied für Gott sein (es heißt ja im Psalm nicht, dass es ein fröhliches Lied sein soll). Auch in den Psalmen der Bibel (Psalm heiß ja übersetzt: „Lied“) gibt es nicht nur fröhliche Passagen, es gibt Klagen, es gibt Hadern, es gibt Zweifeln und Hilfeschreie – alles, was das Herz des Psalmbeters jeweils bewegte.

Glaube bedeutet, Gott an all dem teilhaben zu lassen, was einen bewegt, erfreut oder belastet. Ganz ehrlich, aufrichtig ohne falsch. Wir brauchen ja Gott sowieso nichts vorzumachen. „Er sieht das Herz an“ – sagt uns die Bibel. Auch unser Versagen, unsere Verwundbarkeit bleiben Gott nicht verborgen. Das vor Gott zuzugeben erfordert oft Mut, aber ist Teil dieses neuen Liedes, das wir Gott singen sollen. Und gerade jetzt in der Corona-Zeit wird jeden Tag, jede Stunde deutlich, dass wir eben schwach und verwundbar sind, dass wir uns auf viele Dinge nicht wirklich verlassen können. Aber es wird auch jeden Tag deutlich, dass es auch viele Dinge gibt, die uns Hoffnung machen. Wir sehen Menschen, die in der Corona-Krise Unglaubliches bewirken, wir merken, wie wichtig uns der persönliche Kontakt ist, wir lernen Kleinigkeiten schätzen, an die wir vor ein paar Monaten kaum gedacht hatten. Und es sind oft gerade die Menschen oder Dinge, auf die uns auch die Bibel aufmerksam macht, Gottes Wort, allein die 10 Gebote. Vielleicht ist die Corona-Krise auch eine Chance den Glauben neu zu entdecken, zu erkennen, dass es gut ist, auf Gottes Weisungen zu hören. Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Ja, dass wir auch jetzt Wunder erkennen, die uns Hoffnung, die uns Mut geben und neue Perspektiven öffnen, auch mit dem Traurigen dieser Zeit richtig umzugehen.

Dazu segne uns Gott!

Und sein Friede, der höher ist als alle menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

                                                                                                                                                Dimitri Schweitz, Pastor

Gebet:

Herr, unser Gott!

Danke für diesen Tag, an dem wir wieder Gottesdienst feiern können, zwar stark eingeschränkt, aber doch hier in unserer Kirche. Danke für die Menschen, mit denen wir feiern dürfen.

Leider können wir nicht singen, zumindest nicht so kräftig, wie wir es vor Corana getan haben. Aber Du weißt, im Herzen ist unser Gesang für Dich, unser Dank und unser Bitten.

So bitten wir Dich für alle, die uns heute fehlen und die wir vermissen, dass sie behütet und gesegnet werden.

Wir bitten dich für alle, die gerade jetzt in Not sind und deine Hilfe brauchen: Die von Corona betroffenen, die Kranken, die Einsamen, die Verzweifelten. Lass sie deinen Beistand spüren.

Wir bitten dich für alle, die in Angst leben und unter Gewalt und Verfolgung leiden, die Enttäuscht sind und ihr Interesse am Leben verlieren. Zeige ihnen einen Ausweg.

Wir bitten für die Verstorbenen, um die wir trauern, dass sie in deiner Ewigkeit geborgen sind. Tröste die Angehörigen und begleite sie auf ihren Wegen.

Auf dein Erbarmen, Gott, sind wir angewiesen, allein und gemeinsam. Hilf uns, dass wir uns dir anvertrauen, heute wie gestern und morgen wie heute, unser Leben lang.

Darum bitten wir im Namen deines Sohnes und unseres Herrn Jesus Christus. Amen.

Erster Gottesdienst findet am 10.05.2020 wieder statt

Während vieler Wochen war es nicht möglich, Gottesdienste zu feiern, da sie durch die Corona-Verfügungen des Landes Niedersachsen untersagt waren. Angesichts einer erfreulichen Entwicklung in Niedersachsen hat die Landesregierung einen Lockerungsfahrplan für die kommenden Wochen aufgestellt. Die Stufe 1 der Staatskanzlei sieht u. a. Folgendes vor: „Versammlungen in zum Gottesdienst und zur Religionsausübung gewidmeten Räumen sollen ab dem 7. Mai 2020 in Niedersachsen wieder möglich sein“ (Stand 4. Mai 2020).

Abstandsregeln in der Barver Kirche
Schilder helfen bei der Einhaltung der Abstandsregeln in der Barver Kirche

Die Kirchengemeinden im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz sind in den Vorbereitungen, um ab dem 10. Mai wieder Gottesdienste feiern zu können. Die Landeskirche Hannovers hat dazu eine mehrseitige Handlungsempfehlung für Gottesdienste herausgebracht, an der sich die Kirchenvorstände nun orientieren. „Schön, dass wir wieder Gottesdienste feiern können!“ freut sich Superintendent Marten Lensch. „Die Beschränkungen der letzten Wochen waren schmerzhaft. Aber als Kirche haben wir die notwendigen Maßnahmen unterstützt, um damit einen Beitrag zum Schutz vor der Verbreitung des Coronavirus zu erbringen.“

Auch in den nächsten Wochen werden die Gottesdienste, nicht so wie gewohnt gefeiert werden können. Hygiene- und Abstandsregeln sind einzuhalten. So müssen die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher, in einem Mindestabstand von 1,50 m sitzen, so dass die Teilnehmerzahl begrenzt ist. Auch beim Betreten und Verlassen der Kirche sollen die Abstandsregeln beachtet werden. Personen, die an Krankheitssymptomen leiden, dürfen nicht am Gottesdienst teilnehmen. Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören, entscheiden selbst über ihre Teilnahme.

Die Landeskirche rät dringend davon ab, während der Gottesdienste zu singen, da nach gegenwärtigem Erkenntnisstand gerade das Singen durch die hohe Abgabe von Aerosolen das Infektionsrisiko erhöht. „Das gemeinsame Singen wird in den Gottesdiensten fehlen, zumal gerade am kommenden Sonntag, dem Sonntag „Kantate“, das Thema „Singen“ im Mittelpunkt steht,“ führt Lensch aus. „Gut, dass wir viele engagierte Organistinnen und Organisten haben, die dennoch für eine festliche musikalische Gestaltung der Gottesdienste sorgen können!“

Der erste öffentliche Gottesdienst in der Barver Kirche soll am 10.05.2020 um 09:30 Uhr unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln wieder gefeiert werden.

Coronazeit – Sonntag Jubilate – 3. Mai 2020

Predigt: 2.Korinther 5, 17

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde!

„Jubilate“ heißt der heutige, dritte Sonntag nach Ostern. „Jubelt! Jauchzet Gott, alle Lande“ – heißt es im Psalm 66, aus dem diese Einladung zum Jubeln kommt. Ob das passt? Wer jubelt heute, wenn die ganze Welt eher still wird und zum Zuhausebleiben aufgefordert ist?  Vielleicht passender ist der Wochenspruch: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2. Kor 5, 17). Erleben wir nicht gerade eine massive Erneuerung unserer Welt, unseres alltäglichen Lebens, unserer Gewohnheiten und der Dinge, die wir von Neuem bedenken müssen? Ja, Vieles ist neu für uns. Mit jedem Tag wird deutlicher, dass das vertraute Alte in gewisser Hinsicht wirklich vorbei, und ein noch unbekanntes Neues im Werden ist: Die mit Mund- und Nasenschutz verdeckte Gesichter der Menschen, die uns in Supermärkten oder öffentlichen Einrichtungen begegnen, Abstandsregeln, Hygienemaßnahmen, Vermeidung von körperlichem Kontakt, keine Umarmungen – das zwischenmenschliche Verhalten bekommt jetzt schon neue Formen, die uns nicht unbedingt gefallen. Wie sich das Bild der Wirtschaft und der Gesellschaft insgesamt „erneuern“ wird, können wir noch nicht absehen, aber das wird es tun. 

Um welche Erneuerung geht es bei Paulus? Was ist das vergangene Alte, und was meint Neues für den, der in Christus ist? Um äußerliche Veränderung geht es bestimmt nicht. Der Glaube an Christus macht keinen Menschen jünger, und die alten Lasten sind nicht auf einmal weg. Erneuerung umfasst in erster Linie den inneren Menschen. Und da muss man bei dem Wort „Erneuerung“ auf die Vorsilbe „Er“ achten. Diese Vorsilbe meint Rückkehr zu etwas, was schon einmal war. Erneuerung ist auch Rückkehr zu einem Zustand, der schon einmal war. Ich denke an Beispiele der Versöhnung: Nach einem langen Streit, nach einer langen Trennung kehren zwei Menschen, die sich versöhnt haben, zu einem Zustand ihrer Beziehung zurück, der am Anfang war. Sie sind wieder glücklich miteinander. Sie können trotz der verstrichenen Zeit wieder zuversichtlich nach vorne schauen. Es ist nicht etwas ganz Neues, was diese zwei erleben. Aber sie fühlen sich jetzt wie neu, wie mit neuer Kraft ausgestattet. Ich denke, jeder und jede von uns weiß, wie sich das anfühlt.

In diesem Sinne meint auch der Apostel Paulus Erneuerung. Nur es geht hier um die Beziehung zwischen Mensch und Gott. Diese Beziehung war als Teil der Schöpfung Gottes gut gewesen. Sie gehörte zu dem, was der Vers der Schöpfungsgeschichte meint: „Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“ (1. Mose 1, 31). Durch den Ungehorsam des Menschen ist aber diese Beziehung zerstört worden. Der Mensch hat sich für einen eigenen Weg ohne Gott entschieden, und dieser Weg ist seitdem durch die Trennung von Gott gekennzeichnet. Durch Jesus Christus bietet Gott den Menschen einen Weg, diese zerstörte Beziehung wieder herzustellen, zu erneuern. Gott bietet Versöhnung an und macht den ersten Schritt. Deswegen schreibt der Apostel Paulus weiter: „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu…“ (2. Kor 5, 19).    

Versöhnung ist eine wundervolle Sache. Wer sich schon einmal versöhnt hat, weiß, wovon ich spreche. Versöhnung mit Gott aber ist noch ein Stückchen mehr, als Versöhnung zwischen zwei Menschen. Es ist die Versöhnung mit dem Grund und Ursprung meines Lebens; es ist die Versöhnung mit dem Ort und dem Zeitpunkt, in denen ich bin; es ist die Versöhnung mit der Welt, in die ich geboren wurde; es ist die Versöhnung mit der Welt, die ich um mich gestalte, sie ist nicht die perfekte Welt, aber sie ist einmalig und wert, sich für sie einzusetzen; es ist auch die Versöhnung mit der Zukunft, die vor mir liegt und in der ich eines Tages diese Welt verlassen werde.

Vielleicht fordert uns gerade die Corona-Krise heraus, dass wir uns als Versöhnte wieder entdecken; dass wir wieder das stärken, was uns verbindet, und reduzieren, was uns trennt. Eine Versöhnung bedeutet auch, dass man den weiteren Weg nicht mehr im Alleingang geht, sondern gemeinsam, im Einvernehmen, als Team. Gott will, dass wir mit ihm zusammen gehen, als Team, in dem jeder den anderen schätzt. Gott schätzt uns, wir sind ihm wichtig, und wie sind einander wichtig. So hat es Gott von Anfang an für die Schöpfung gedacht, so ist es durch Christus wieder deutlich geworden. Wir sind versöhnt, wir können aus der Kraft der Versöhnung leben und nach vorne schauen. Das wünsche ich uns allen nicht nur am heutigen Sonntag, sondern jeden neuen Tag!

Und Gottes Friede, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

                                                                                                                                                Dimitri Schweitz, Pastor

Gebet:
Gott Du Quelle der Versöhnung!
So hast Du die Welt geliebt, dass Du deinen Sohn Jesus Christus nicht verschont hast, um uns mit Dir zu versöhnen. Du willst, dass wir diese Welt nicht im Alleingang, sondern mit Dir zusammen gestalten: Liebevoll, behutsam, nicht eigennützig, im Vertrauen auf Deine Weisheit.
Dafür danken wir Dir! Aber wir fühlen unsere Ohnmacht, unsere Verwundbarkeit, gerade jetzt in der Coronazeit. Wir bitten Dich: Gib uns die Zuversicht, mit der wir diese Zeit überstehen. Ermutige die Verzweifelten und tröste die Betroffenen; stärke die, die im Einsatz sind und sich um das Wohl von uns allen kümmern. Hilf uns, dass wir bei bevorstehenden Lockerungen vernünftig handeln.
Vor Dich bringen wir unsere Familien, Freunde, Bekannte und bitten Dich um Deinen Segen und Schutz.
Durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn!
Amen. 

Coronazeit – Sonntag Miserikordias Domini – 25. April 2020

Predigt: Psalm 23

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde!

Eigentlich sollte heute in Barver die Konfirmation gefeiert werden. Acht Jugendliche hätten sich heute zum christlichen Glauben und zu ihrer Taufe bekannt. Auch dazu, dass sie in Gott einen Hirten sehen, der sie im Leben beschützt. Vielleicht ist deswegen der erste Vers des bekannten Psalms 23 heutzutage einer der populärsten Konfirmationssprüche. Den Psalm müssen die Konfis in ihrem Unterricht auch auswendig lernen. Heute hätten wir ihn gemeinsam gebetet, so wollen wir das auch jetzt tun:

Der heutige, zweite Sonntag nach Ostern trägt den Namen der Barmherzigkeit Gottes. Eines der bekannten Motive dazu ist das eines Hirten, der sich liebevoll um seine Schafe kümmert. Ein häufiges Motiv der Bibel, das veranschaulichen will, dass wir Menschen im gewissen Sinne wie Schafe sind, die einen Hirten brauchen. Gott selbst öffnet sich als der gute Hirte, der seine Herde liebt. Auch Jesus sprach von sich als dem guten Hirten, der sein Leben für die Schafe gibt. Deswegen wird dieser Sonntag auch Hirtensonntag genannt.

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.


Psalm 23

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ – ein Bekenntnis, das dem heutigen Zeitgeist eher widerspricht. Finden Sie nicht? Es ist nicht gerade cool, sich in der Rolle eines Schafes zu sehen, das von jemandem geführt und versorgt werden will. Man spricht ja sich selbst so eine gewisse Unmündigkeit zu, zeigt seine Unzulänglichkeit, sein Angewiesen sein auf andere. Und das in der Zeit, wo man eher das Selbstbewusstsein propagiert und davon spricht, dass jeder Mensch sein eigenes Potenzial entfalten und seinen eigenen Weg gehen soll: „Mache, was du liebst, und liebe, was du machst“ lautet eine populäre Devise der heutigen Zeit und meint, somit ein ideales Glücksrezept zu präsentieren. Manche sind deswegen auch der Kirche gegenüber skeptisch, weil sie denken, Kirche wolle nur bevormunden und beschränken. Eine Dame verglich die Kirche mit einer Herde hirnloser Schafe, die sich von ein paar schlauen Köpfen an der Nase herumführen lassen. So etwas mag in der langen Geschichte des Christentums oder auch jeder anderen Religion sicherlich gewesen sein. Auch die Bibel erwähnt solche Vorkommnisse. Im Buch des Propheten Jeremia z.B. wird im 23. Kapitel das Volk Israel mit einer großen Schafherde verglichen, die in die Händen schlechter Hirten geraten ist und deswegen auseinander läuft. Der Prophet kündigt auch an, dass Gott selbst einen Hirten setzen wird, der seine Herde sammeln und sie auf dem richtigen Weg führen wird. Dieser Hirte ist in Jesus Christus gekommen, und nicht in einem religiösen Anführer – das darf man nicht vergessen.

Die andere Frage: Warum Schafe? Vielleich deshalb, weil jedes Schaf nur danach schaut, wo leckeres Gras ist, und dadurch seine Herde aus dem Blick verliert. Nicht umsonst muss die Herde stets bewacht und mit Hilfe von Hunden zusammengehalten werden. Sonst laufen die Schafe auseinander und werden als einzelne der Gefahr ausgeliefert, von Wölfen gerissen zu werden.

Sind wir Menschen nicht so? Laufen wir nicht Dingen hinterher, die uns im Augenblick wichtig erscheinen oder Spaß machen? Führt das nicht dazu, dass jeder letztendlich nur an sich selbst denkt und sich danach orientiert, was ihm selbst als gut und nützlich erscheint. „Ich persönlich habe keine Angst vor Corona“ – sagt ein junger Mann im Supermerket, deshalb wolle er keine Maske tragen. Aber gerade die Maske setzt ja voraus, dass man an andere denkt, die man vor eigenen Viren schützt, die man möglicherweise bereits in sich trägt. Apropos Viren: Sie zeigen auch, wie verwundbar wir sind. Auch zeigen sie, dass wie als Gesellschaft doch klare, einheitliche Regeln und kluge Führung brauchen, gerade angesichts von Gefahren. Gibt es sie? Diese kluge Führung, die es schafft, ihr Land, ihr Volk so schmerzfrei wie möglich aus der Krise zu bringen? Ich denke, niemand kann diese Frage mit einem deutlichen „Ja“ beantworten. Was aber auf jeden Fall nötig ist, ist ein respektvoller und fürsorglicher Blick auf andere. Dies ist auch der Hauptinhalt dessen, wovon Jesus gesprochen und was er gelebt hat. In diesem Sinne will er auch unser Hirte sein, uns leiten im Licht der Liebe, uns stärken im Miteinander, uns trösten im Teilen unserer Ängste mit uns, uns bringen zur Kraftquelle in Gott durch sein Wort und sein Vorbild. Wäre die Welt nicht viel schöner und friedlicher, wenn wir mehr diesem guten Hirten Jesus Christus folgten?

Ich wünsche uns trotz der weiteren Einschränkungen einen gesegneten Sonntag!

Und Gottes Friede, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

                                                                                                                                                Dimitri Schweitz, Pastor

Gebet

Du guter Hirte, Jesus Christus!

Wir sind gefangen in unserer Sorge. Du siehst unsere Verunsicherung, unsere Ängste.
Schau auf die Menschen, die keinen Ausweg sehen – in Krankenhäusern, auf der Flucht, im Krieg, in zerbrochenen Familien oder kaputten Beziehungen. Schau auf die Menschen, die kein Zuhause haben, wo sie Schutz finden.


Du guter Hirte, suchst du sie? Steh ihnen bei und trage sie auf deinen Schultern. Und gib uns allen einen respektvollen Blick aufeinander. Dass wir gerade in Situationen der Not mehr aneinander denken und deinem guten Vorbild folgen.


Wir bitten dich für die Opfer der Pandemie und um Trost für ihre Angehörige! Wir bitten dich für alle, die im Kampf gegen das Virus an vorderster Front sind! Wir bitten dich für alle, die Führungspositionen bekleiden! Erbarme dich heute und alle Tage.

Begleite uns alle durch diese Zeit und erhalte uns trotz all dem Schweren in österlicher Freude!

Amen. 

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